Journalismus und social media …

Ethische Regeln für Journalisten in social media networks?

Klar – jeder Journalist ist an gewisse Standards gebunden, wenn er seine Arbeit ernst nimmt. Qualitätsjournalismus bedeutet unter anderem, journalistische Sorgfalt walten zu lassen. Was in diversen Kodizes bzw. im Presserecht festgeschrieben ist, lässt sich aber oft nicht 1:1 für das Verhalten von Journalisten in sozialen online Networks (gemeinhin als Social Media bezeichnet) ummünzen. Die New York Times etwa rät Mitarbeitern auf Facebook und Co um spezielle Vorsicht, um deren Unabhängigkeit zu gewährleisten. Etwa wird dabei geraten, den Bereich “politische Ansichten” im personal profile nicht zu befüllen.

Auch das renommierte Poynter Institute hat in Zusammenarbeit mit Journalisten eine Art Guide für das Verhalten von Journalisten in social networks erarbeitet. Übersetzt hat den englischen Artikel Kirstin Marquardt für die Akademie für Publizistik Hamburg.

thanks to Bill Mitchell, Geoffrey Holman/iStockphoto

thanks to Bill Mitchell, Geoffrey Holman/iStockphoto

Zitat: Journalisten nutzen soziale Netzwerke unter professionellen Gesichtspunkten, oder zum reinen Privatvergnügen. Dritte vermischen beide Ebenen. Es wird zunehmend schwierig, persönliche Seiten in sozialen Netzwerken vollkommen umfassend privat und geschlossen zu halten. Deshalb werden auch Journalisten erkennen müssen, dass alles, was sie unter ihrem Namen in Facebook oder auf MySpace veröffentlichen, das Potential hat, ihren Ruf und in der Folge auch die Glaubwürdigkeit ihrer Redaktion zu beeinflussen (Anmerkung Werenfried Ressl: so wie bei anderen Mitarbeitern eines Unternehmens auch…)

Links zu den Original Artikeln:

Auf Deutsch
>> http://www.akademie-fuer-publizistik.de/magazin/blog/detailseite/article/empfehlungen-fuer-journalisten-in-sozialen-netzwerken/

In English:
>> http://www.poynter.org/column.asp?id=67&aid=156905

Ehrenbürger, Kinderschänder? – Rufmord auf steirisch

Steirischer Bürgermeister seit Monaten von Jugendlichen diffamiert…

Ein besonders krasser Fall von Rufmord im Internet ereignet sich seit einiger Zeit in der Steiermark. Die Jugendgruppe “Wild Panthers”, bestehend aus Mitglieder einer ehemaligen politischen Jugendvereinigung, rückt den Pernegger Bürgermeister Andreas Graßberger seit Monaten ins schlechte Licht. Kinderschänder, Rassist, Veruntreuung lauten die Verleumdungen, freilich bisher ohne anerkannte Beweise.

Auf Unterlassung und Widerruf verklagt – doch Rufmord geht weiter

Obwohl sich Bürgermeister Graßberger bereits erfolgreich vor Gericht bemüht hat (der Betreiber der Website der Wild Panthers, der 18 jährige D. Doppelhofer, Spitzname: “Klana Doppi” wurde zu Unterlassung, Widerruf und zur Zahlung der Verfahrenskosten von 5324 Euro und 28 Cent verurteilt), geht die Hetzjagd munter weiter. Erneut ist zu lesen:

“Bürgermeister Grassberger …..(Anm: und andere Vertreter der Gemeinde) ….enttarnen ihre wahre Identität, diese nicht das Sozialdemokratische trägt , sondern eher eine Form von nationalsozialistischem Glauben besitzt.”

An anderen Stellen der Seite sind zudem Fotomontagen zu sehen, in denen der Bürgermeistern in Nazi-Uniform auftritt.
Der Funktionär der Wild Panthers gibt preis, was er nicht mag: unehrliche Menschen, Lügner, Kameradenschweine…..

Über die Motivation des Vereinsfunktionärs (Zitat Website Wild Panthers):
“Als ex. Obmann der Jungen Volkspartei Pernegg alias “JVP-Pernegg” sehe Ich mich weiterhin als kein Zustimmer der Politik des Andreas Grassberger , jedoch ist Vereinsangehörigkeit und Politische Fraktion ein großer Unterschied, sowie das Privatleben, deshalb sind die sehr hinterhältigen und feigen Atacken auf Vereine , bei diesen Ich Mitgliedschaft besitze ( zB. Feuerwehr, Panthers ..) und mein Leben von dieser Person einfach lächerlich und inkorrekt. Jeder , dieser unsere Zustimmung erhält ist in den Reihen der Panthers herzlichst willkommen . Panther Heil Kameraden !

In einer Solidaritätskundgebung mit Fackelzug äußerten sich bereits Politiker aller Fraktionen und auch Bürger gegen die Verleumdung. Der mittlerweile verzweifelte Bürgermeister wandte sich erneut an die Medien, um den Fall aufzuzeigen.

Am 13. Februar 2009 brachte der ORF in der ZIB2 einen Beitrag zum Thema Cybermord und digital reputation management

zib2-13-2-2009-rufmord-im-web from Werenfried Ressl on Vimeo.

Schutz vor online-Rufmord?

Wie man sich gegen Rufmord im Internet schützen kann, hängt von der jeweiligen Situation ab.

Grundsätzlich gilt:

  • Schnell handeln
  • Beweise sichern
  • ev. Anwalt informieren
  • Plattformbetreiber, die schädigende Inhalte veröffentlichen um Entfernung dieser auffordern

Prävention: Digital Reputation Management

Präventiv muss man raten, sich einen guten Ruf im Internet vorsorglich aufzubauen. Etwa indem man sein soziales Netzwerk dazu nützt, derartig böswillige Anschläge von vorn herein verpuffen zu lassen. Auch im Hinblick auf die Präsenz in Suchmaschinen ist natürlich ein gefestigter Ruf über eine Person, manifestiert durch zahlreiche positive Einträge und Empfehlungen einer Person der beste Schutz vor dem Angriff auf seine digitale Reputation im Internet.