Erfolgsmessung einer Social Media Kampagne am Beispiel “heifi2010.at”

Über den Versuch einer Annäherung an die Erfolgsmessung einer Social Media Kampagne

“Zum ersten Mal wurden bei einem österreichischen Bundespräsidentschaftswahlkampf soziale Netzwerke im Internet (Facebook, Twitter, YouTube, Flickr) als gleichwertige Plattformen integriert. Texte und Fotos der UserInnen wurden in die Kampagnen www.heinzfischer.at und www.heifi2010.at aufgenommen. Insgesamt wurde 10% des Wahlkampfbudgets in die Internetkampagne investiert – mehr als in Inserate in der “Kronen Zeitung”. Ein Novum in Österreich.”

Quelle: APA (OTS) – OTS0078 2010-04-26/11:05

Das Wahlkampfteam von Heinz Fischer hatte also eine dezidierte digitale Online Strategie formuliert mit dem Kalkül, durch Spendings für Online Aktivitäten nach der allgemein akzeptierten “participation inequality Formel” 90-9-1* meinungsbildende Kräfte zu binden, manifestiert durch einen Zuwachs von Mitgliedern im Pesonenkomitte, welche als wichtige Multiplikatoren in der Gesamtkommunikation gesehen werden.

Erfolgsmessung political campaign ≠ Erfolgsmessung für consumer products

Die nachfolgende Annäherung, basierend auf veröffentlichten Zahlen und unter Annahme einiger eigenen Erfahrungswerte soll darlegen, ob die Aktion ein Erfolg war, bzw. ob man daraus Schlüsse ziehen kann im Bezug auf erwartbare Kosten-/Nutzenverhältnisse. Freilich, ein Bundespräsidentenwahlkampf ist kaum mit einer Kampagen für consumer products zu vergleichen, dafür ist der emotionale Charakter unseres Herrn Bundespräsidenten (UHBP) zu einzigartig  ….   ;-).

Allfällige Rückschlüsse und Messlatten sind also nur vage ableitbar. Trotzdem soll anhand dieses Versuchs die so oft nachgefragte und von vielen klassischen Agenturen und Marketingabteilungen bezweifelte Sinnhaftigkeit einer Social Media Kampagne in Form einer überschlagsmäßigen Erfolgsmessung dargestellt werden.

Annahmen für die Erfolgsmessung der digitalen Strategie für die Kampagne heifi2010.at

Annahmen für die Erfolgsmessung, lt. veröffentlichten Budgets des Wahlkampfteams

Annahmen für die Erfolgsmessung, lt. veröffentlichten Budgets des Wahlkampfteams

1. Budget für Online Kampagne, abgeleitet aus dem veröffentlichten Gesamtbudget von 2 Mio. Euro.
Insgesamt wurde 10% des Wahlkampfbudgets in die Internetkampagne investiert. Nicht beachtet sind dabei ev. Verschiebungen durch nicht projektierte private Spenden, welche eventuell auch in die online Kamapgne geflossen sein mögen.

Zahlen und Fakten zum Erfolg der Online Kampagne für heifi2010.at

Zahlen und Fakten zum Erfolg der Online Kampagne für heifi2010.at

2. Zahlen und Fakten aus dem Kampagnen-Ergebnis:

Die hier verwendeten Zahlen bzw. Annahmen basieren auf veröffentlichten Angaben bzw. auch Erfahrungswerten aus vergangenen Kampagnen. Für den Erfolg nach der Formel 90-9-1 wurden äquivalent “visits”, “actions” und “new members im Personenkomitee” verwendet. D.h. – simple Besucher der Websites, Blogs bzw. Channels sind “normale Nutzer” bzw. generierten “Clicks. Facebook members, Abonnenten, Twitterer und Blogredakteure wurden äquivalent als Nutzer, die sich von Zeit zu Zeit beteiligen angenommen (Actions), während der Zuwachs im Personenkomitee durch die Online Aktivitäten als 1% der Heavy User bzw. “Leads” im Sinne des Werbeerfolgs eruiert werden.

3. Erfolgsauswertung, Cost per Click, Cost per Action und Cost per Lead

Kosten- Nutzenrechnung der Online Kampagne für heifi2010.at

Cost per Click, Cost per Action bzw. Cost per Lead

Nimmt man nun die Werte und setzt reichweitenspezifische Kosten- Nutzenrechnungen an, ergibt sich folgendes Bild: Errechnet man die Kosten pro User (simple Besucher bzw. Werbekontakt), hätte jeder Click auf einen der Channels ca. € 1 gekostet. Setzt man die Kosten für User an, die aktiver am Geschehen teilnehmen und einzelne Werbebotschaften übernehmen, müsste man mit € 5 pro User an Kosten rechnen. Ein Zuwachs im Personenkomitee kostet nach dieser Rechnung etwa € 47 pro User.

4. Erfolgsauswertung nach dem Modell: Participation Inequality

Das Kalkül wäre also in diesem Falle mehr als aufgegangen, denn von 100 Usern hätten lt. Auswertung

- 79% der User nur gelesen, geschaut, aber selber nichts beigesteuert,

- 19% der User sich von Zeit zu Zeit beteiligt (etwa in Form von Postings, Tweets, etc…)

- 2% der User sich für eine Mitgliedschaft im Personenkomitee entschieden!


Gratulation als nicht nur UHBP, sondern auch dem Strategieteam von Heinz Fischer!

Wie man erkennen kann, wäre also das eingesetzte Budget durchaus gerechtfertigt gewesen, bzw. man hätte sogar noch mehr, als 10% des Budgets für Online Maßnahmen wagen können.

* Participation Inequality nach Jacob Nielsen

“90% der Nutzer lesen und schauen nur zu, steuern aber selber nichts bei.
9% der Nutzer beteiligen sich von Zeit zu Zeit, aber andere Dinge sind ihnen wichtiger.
1% der Nutzer macht häufig mit, von ihnen stammen die meisten Beiträge, manchmal scheint es, als hätten sie sonst überhaupt nichts zu tun, denn sie kommentieren oft schon Minuten nach jedem Ereignis, zu dem sie sich äußern.”